Freitag, 29. September 2017

Tresor17


von Grietje van deer Veen

Eine neue Plattform ist in Basel entstanden: TRESOR , „Europe’s Fair for high-end craft and contemporarty applied arts“ (Zitat Flyer). Also eine Messe für Gegenwarts-Topkunsthandwerk. Neugierig bin ich hingegangen. Was ich erfahren durfte, war eine beeindruckende Schau von Kunst(handwerks)gegenständen aus Papier, Holz, Textil, Glas, Silber, Gold, Keramik, Porzellan und anderem. Praktisch alle Künstler waren alle durch namhafte Galerien vertreten. Begleitet wurde die Ausstellung von täglichen Gesprächsrunden und Vorträgen, in denen die Künstler sich präsentierten.

Ich möchte hier keine Totalübersicht präsentieren, auch weil mir die Fach- und Sachkenntnisse über z.B. Glas-, und Porzellanwerke fehlen. Ich konzentriere mich hier auf die Arbeiten, die mich persönlich sehr angesprochen haben.

PAPIER

Domitilla Biondi, eine Italienerin, nennt ihre Arbeiten „Paper Poetry“. Mit einem Skalpell schneidet sie in dickes elfenbeinfarbiges Papier. Nichts wird ausgeschnitten, nur angeschnitten und der Schnitt angehoben. So entstehen zarte Reliefs. Je nach Lichteinfall erhalten Teile des Werks eine gelbliche Tönung.


Auf ihrer Website (hier) zeigt Domitilla ihre Arbeitsweise in einem Video. Domitilla biondi: http://www.paper-poetry.com

Attai Chen, wohnhaft in Deutschland, stellt Schmuck u.a. aus Papier her. Seine Papier-Broschen lassen viele Interpretationen zu. Ich sah darin städtische Skylines von oben gesehen. Er verwendet hauptsächlich recycled Papier. Die winzigen Papierstreifen sind ganz fein gefaltet und geschichtet. So ist die Brosche hier unten höchstens 5 cm lang.
Attai Chen, Brosche
Zu sehen sind die aus Papier hergestellten Schmuckstücke unter COMPOUNDING FRACTIONS auf Chen‘s Website http://www.attaichen.com/jewellery

Auch die Brosche vom Wordless Wednesday stammt aus Chens Kollektion

Anke Neumann aus Deutschland verbindet Licht und Papier auf vielfältige Weise.

„Während viele Gestalter mit vorgegebenen Materialien arbeiten, wird für LICHTPAPIER das Grundmaterial selbst gemacht. Die Herstellung des Papiers erfolgt nach europäischer und asiatischer Handwerkstradition.
Die vorbereiteten Lichtleiter werden bereits während dem Prozess der Papierherstellung integriert, so dass sie von den Papierfasern umschlossen und somit in der fertigen Fläche gehalten werden. Trocknet das Papier fest auf dem Sieb, bleibt es glatt. Die Formen entstehen in einem gesteuerten Kampf zwischen den sehr gegensätzlichen Materialien in verschiedenen Trocknungsphasen, wobei das Ergebnis zum Teil wetterabhängig ist. (…)
Der Stellenwert von Papier liegt in der westlichen Kultur, im Gegensatz zur japanischen Tradition, die Papier als etwas Edles und Poetisches begreift, eher im praktischen Gebrauch.
Die Herausforderung besteht darin, Papier „salonfähig“ zu machen, eine Begeisterung für das Material zu entfachen. Zart, vergänglich, unperfekt Anmutendes hat durchaus einen Platz neben Beton, Holz, Glas oder Stahl. Das Licht verstärkt diese Eigenschaften, ohne selbst zu stark in den Vordergrund zu treten." (Zitat Website)
Anke Neumann, zwei Installationen
Ein Blick auf ihre Website http://www.lichtpapier.de/ ist ein Muss. Jede ihrer Arbeitsweisen stellt sie detailliert dar mit vielen Beispielen.

Laura Youngson Coll, eine Engländerin, kreiert ihre florale Formen aus Pergament und Leder.

Laura Youngson Coll


Ein Blick ihre Website lohnt sich: http://www.laurayoungsoncoll.co.uk/


TEXTIL

Michael Brennand Wood, ein Engländer, durfte allen Textilkünstlern ein Begriff sein. Ich habe mich besonders gefreut, auch zwei seiner Werke an der Messe zu finden. Er ist einer der innovativsten Textilkünstler, von denen ich gehört und gesehen habe. Seine Werke sind mehrschichtig, durchlässig dreidimensional. Er hat eine Vorliebe für florale Muster, verwendet dazu oft computerisiertes Maschinensticken.


Pinhead - Do you see what I see?, 2005
El Rayo-X, 1989

Hier geht es zu Michaels Website:

http://www.tastecontemporarycraft.com/michael-brennand-wood/

Nun zu zwei Schweizerinnen:

Brigitte Wisselaar durfte auch denen ein Begriff sein, die unsere Ausstellung „Teximus 2“ besucht haben. Sie war dort mit zwei Werken vertreten. Sie wurde von einer Galerie entdeckt und gebeten, einige Werke am Tresor17 zu zeigen. Eine steile Karriere angesichts der Tatsache, dass sie bei Teximus 2 erstmals überhaupt ausstellte.

Draussen, 2016


Berlin, 2013-2016
Fragmente der Baukunst, 2012
 Hier geht's zu ihrer website: http://www.bwisselaar.com/

Pia Castiglioni ist eine begnadete Stickerin. Ich habe sie vor langer Zeit mal in ihrem Atelier besucht. Zu der Zeit lag das Hauptgewicht ihrer Stickereien auf Stuhlbezüge, grosse Kuben und Kissen, also Gegenstände hauptsächlich für den Wohnbereich bestimmt. Gross war meine Überraschung, ganz feine, zarte Gebilde zu sehen, Fantasiefiguren organischer Art, z.B. mit feinem Garn umwickelte Schnüre, sich (vom Meeresboden?) hochschlängelnd. Zauber- und meisterhaft.


http://www.stickatelier-castiglioni.ch
HOLZ

Zwei Franzosen waren hier führend:

Thierry Martenon kreiert freistehende und an der Wand hängende Holzskulpturen. Auf seiner Website sind neben einer beeindruckenden Anzahl von Werken http://www.thierrymartenon.com/ (unter Presse) einige Videos aufgeschaltet, die ihn bei der Arbeit und auf der Suche nach geeignetem Holz zeigen.




Pascal Oudet arbeitet ganz anders. Seine Skulpturen sind filigran wie Spitze. Zuerst drechselt er die angestrebte Form, dann wird die Form sandgestrahlt, bis die weichen Teile sich aufgelöst haben. Übrig bleiben die Jahresringe, die die Geschichte des Holzes erzählen. Ins richtige Licht gerückt, erhöht der Schattenwurf die Wirkung der spitzenähnlichen Strukturen.





Auf seiner Website zeigt er nicht nur Bilder seiner Skulpturen, sondern auch Arbeitsprozesse und Werkzeug http://www.lavieenbois.com/


PORZELLAN

Chen Descheng

Bonsai No. 1
Leider habe ich seine Website nicht gefunden

HAAR

The Colour of Hair ist ein Projekt von Martijn Rigters & Fabio Hendry, zwei Studienkollegen am Royal College of Art. Sie entwickelten einen Prozess, der die Oberfläche von Metall mithilfe von natürlichem Haar nachhaltig verändert. Das Haar wird durch diesen Prozess in Tinte verwandelt, die zum Drucken verwendet werden kann.


Bedruckte Oberflächen

Hier erfahren Sie mehr über den komplizierten Prozess:  http://www.thecolourofhair.com

EMAIL

Bettina Dittelmann kreiert schmuck mit einem aufwändigen Verfahren. Unzählige Male werden die Materialien erhitzt. Dies wurde mir vorort erklärt. Leider konnte ich im Netz keine weiteren Angaben finden.

Bettina Dittelmann, Broschen


Mittwoch, 27. September 2017

Freitag, 22. September 2017

FrauenZimmer – Weibsbilder – Textile Geschichten

von:
Gabi Mett

Die Ausstellung mit diesem Titel wurde am 2.9.2017 eröffnet. Bis einschließlich 15. Oktober 2017 präsentieren in der Kunsthalle des JungenForumKunst Siegburg e.V 20 Filz- und Textilkünstlerinnen aus 6 Nationen ihre zum Teil sehr persönlichen Objekte und Installationen.

Folgende Künstlerinnen sind in der Ausstellung vertreten:

Britta Ankenbauer (D) ● Claudia Arndt (D) ● Dorie van Dijk (NL) ● Sibylle von Eschenlohr (D) ● Barbara Füreder (A) ● Kinga Huszti (HU) ● Gabriella Kovács (HU) ● Ariane Mariane (F) ● Merja Markkula (FIN) ● Gabi Mett (D) ● Kira Outembetova (NL) ● Beatriz Schaaf-Giesser (D/Ury) ● Charlotte Sehmisch (D) ● Bertina Slettenhaar (NL) ● Sandra Struck-Germann (D) ● Das Sündikat (D) ● Katharina Thomas (D) ● Karen Betty Tobias (D) ● Yvonne Zoberbier (D) ● Ricarda Aßmann (D)

Die Kuratorin Ricarda Aßmann sagt zu ihrer Idee:

„Textile Kunst ist untrennbar mit Frauen verbunden, und muss sich doch ihre Anerkennung in der Öffentlichkeit und Kunstwelt immer wieder erkämpfen. Sie eignet sich wie kaum eine andere, weibliche Lebensthemen, An-Sichten und Frauenleben abzubilden – ja, im wahrsten Sinne des Wortes zu verkörpern.
Textile Artefakte sind Speicher weiblicher Geschichten, Gesichter und Schicksale ganzer Generationen. Textilien umhüllen uns, sind uns zweite Haut oder Maske und Verwandlung, und ihre Herstellung gleicht sich auf allen Kontinenten dieser Erde. Doch textile Objekte, so vielschichtig wie ihre Schöpferinnen, spiegeln zugleich auch den Zeitgeist, werden zum Ausdruck politischer Bewegungen.“

Ich möchte Ihnen einen kleinen Einblick in die Werkschau geben.


Blicke in die Ausstellungshalle
 

 


 


 


 


 


 


 
Schwerpunktmäßig waren Filzarbeiten zu sehen. Sie waren sehr beeindruckend, sowohl was Technik, Größe, aber auch Ausdruck angeht.


Blick auf meine Arbeiten


Langer Weg

Bei diesem Werk handelt es sich um  ein altes Mangeltuch, auf das ich kieselartige Formen aufgestickt habe. Zwischen den Steinen habe ich in der Manier von Écriture automatique Worte und Sätze geschrieben.

" Der französische Ausdruck Écriture automatique (dt.: Automatisches Schreiben, Automatischer Text) bezeichnet eine Methode des Schreibens, bei der Bilder, Gefühle und Ausdrücke (möglichst) unzensiert und ohne Eingreifen des kritischen Ichs wiedergegeben werden sollen. Das Schreiben erfolgt dabei klassischerweise als manuelles Schreiben mit einem Schreibgerät. Unter Verzicht auf Absichtlichkeit und Sinnkontrolle dürfen sowohl Sätze, Satzstücke, Wortketten, als auch einzelne Wörter geschrieben werden. Was ansonsten in Hinsicht auf Orthografie, Grammatik oder Interpunktion als fehlerhaft gilt, kann unter diesen Bedingungen erwünscht und zielführend sein. Wichtig ist allein die Authentizität des Einfalls.

Die
Surrealisten propagierten diese schriftstellerische Form der Freien Assoziation als eine neue Form der Poesie und der Experimentellen Literatur. " (Wikipedia)



 


 


 


 


 


 


 


Mit den Gedanken woanders
 
Auch bei dieser Arbeit steht das automatische Schreiben im Mittelpunkt. Eine alte Handarbeit auf feinem Leinen, schon markiert, aber noch nicht begonnen, konnte ich auf diese Art und Weise weiterführen und mit altem roten Stickgarn interpretieren






Schriftstück aus der Familie
 
Gedanken zu meiner Familie sind hier notiert, Stücke aus alten Kopfkissen integriert, weiter interpretiert mit unverständlichen gestickten Zeichen, geheime Codes, die jede Gemeinschaft, entwickelt, bewusst oder unbewusst, erkennbar oder verdeckt.


 


 


 



 
Woran glaubst Du?
Über eine lange Zeit habe ich kleine Elemente gestickt, die als Amulette gedacht waren. Es sind an die 300 entstanden. Auf ein altes Leinenstück - handgewebte Handtuchroll - aufgenäht, lassen sie die Frage entstehen: Woran glaubst Du?


 


 
 
 
Diese Ausstellung ist die letzte in dieser alten Industriehalle. Und weil das so war, konnte ich mir einen Wunsch erfüllen  und meine Arbeiten auf dem Boden weiterführen. Mit unterschiedlichen Stiften habe ich meine Gedanken zu diesem Moment auf den Boden niedergeschrieben
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 




Aus diesem Vorgang entstand eine neue Idee: Ich würde gerne einmal einen großen Raum nur mit meiner Schrift und meinen Gedanken verändern, alles beschreiben, Boden, Wand und Decken, Tisch und Stuhl...

Die Ausstellung läuft bis einschließlich 15. Oktober 2017  in der Kunsthalle des JungenForumKunst Siegburg e.V in Siegburg. Die Werkschau ist täglich von 11.00-19.00 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 7,50 Euro.

Weitere Informationen hier