Freitag, 16. Februar 2018

Isabelle Wiessler- Über mich


von Isabelle Wiessler

Ich bin in Paris geboren und aufgewachsen, bis ich mit knapp 19 Jahren nach Hamburg zog. Seit 1985 lebe ich in und bei Freiburg in Breisgau.

Seit frühester Jugend beschäftige ich mich mit der bildenden Kunst, vor allem mit der Malerei. In Hamburg habe ich jedoch Bibliothekswesen studiert, konnte aber leider hier im Süden meinen Beruf nicht ausüben. Deshalb habe ich nach anderen Tätigkeiten aufgrund meiner Fremdsprachkenntnisse gesucht und gefunden.

Zu Textil kam ich durch Zufall, als ich 1989 eine Quiltausstellung in einer Bank sah. Ich war fasziniert von der Vielfalt dieser Arbeiten und tauschte bald den Pinsel mit der Nadel. Bald interpretierte ich die traditionellen Muster neu und löste mich nach und nach davon.

Weitergebildet habe ich mich dann durch verschiedene Workshops u.a. bei Jan Beany und Jean Littlejohn, die meinen Weg und meine Arbeitsweise nachhaltig und von Grund auf beeinflusst haben.

Vor knapp 20 Jahren habe ich selber angefangen zu unterrichten, was mir viel Spass macht. Ich gebe gerne meine Kenntnisse weiter und helfe anderen sich für das textile Medium zu begeistern bzw. Ihren eigenen Weg zu finden. Meine Kurse führten mich inzwischen ins Ausland wie z.B. nach Russland, Kanada, Mexiko und vielen europäischen Städten – all diese Menschen und Orte kennen zu lernen ist auch eine große Bereicherung für mich.

Inzwischen bin ich Vollzeit-Künstlerin im Bereich Mixed-Media mit einer Leidenschaft für Textur, Oberflächengestaltung und Fläche. Vor fast 10 Jahren habe ich angefangen, meine textilen Materialien mit Acrylfarbe zu bearbeiten. Ich kann somit meine frühere Leidenschaft für die Malerei mit dem Textilen kombinieren. Es ist eine permanente Auseinandersetzung mit Material, Technik und Inhalten. Indem ich die gequiltete Fläche mit Acrylfarbe bemale, erreiche ich eine komplett neue Struktur, auch dank der Dreidimensionalität.

Ich arbeite gerne themenbezogen: wie ökologische Katastrophen, Spuren, die Stadt
Golf von Mexiko, April 2010
Urban 4
Reise am Ende der Nacht
Urban 5
Ein weiteres wichtiges Thema für mich sind die Spuren, die die Zeit an Gebäuden oder Bäumen hinterlassen wie auch die Entwicklung einer Rinde oder die Mystik eines Waldes. Dabei, verwende ich, wenn nötig, auch andere Materialien wie Tyvek oder Lutradur (Spinnvliesstoff).
    
Dach Bellwald
Une foret remplie de secrets

Rindenspiel 2
Cornus controversa
Seit einiger Zeit beschäftige ich mich auch mit dem Thema „Farbe zu Licht“. Mein Bestreben ist es, die Wirkung des Lichtes auf meine Werke zu übertragen und darzustellen.

Horizonte 2

Surface 3
Burned Landscape
Ich stelle im In- und Ausland aus und nehme an internationalen jurierten Ausstellungen teil sowie auch auf Einladungen zur Teilnahme, wie zum Beispiel:


Carrefour Européen du Patchwork, 2011
St. Petersburg 2014
Nadelwelt Karlsruhe 2015

Quilt & Textilkunst 2016
Mehr über meine Werke und meine Kurse erfahren Sie HIER
 



Mittwoch, 14. Februar 2018

In eigener Sache


Diesmal gibt es keinen Wordless Wednesday, denn die Neuigkeiten, die es in der TAFch-Gruppe gibt, sind so erfreulich, dass wir darüber sprechen wollen.

Zwei neue Mitglieder haben sich ab sofort zu uns gesellt und werden sich in den nächsten Blogs vorstellen. Dies sind Isabelle Wiessler und Bea Bernasconi.. Wir sind glücklich, diese beiden hervorragenden Künstlerinnen begrüssen zu dürfen und mit ihnen zusammen zu arbeiten. Sie bringen frische Luft in die Gruppe und sprühen schon vor neuen Ideen.

Isabelle ist im süddeutschen Raum und Bea in der italienischsprachigen Schweiz beheimatet. Beide können in ihren Blogs auch über Themen aus dem grenznahen Ausland berichten.

Natürlich ist hiermit die Suche nach weiteren Mitgliedern nicht zu Ende. Wir möchten unser Team auf sieben Mitglieder erweitern. Wer Interesse hat, kann sich gerne bei uns melden, entweder bei Ursula Suter info@ursula-suter.ch oder bei Grietje van der Veen grietje@textileart.ch . Wir sprechen aber auch selber potentielle Mitglieder an.

Das TAFch-Team

Freitag, 9. Februar 2018

Bakuba in Weil am Rhein (D)


von Grietje van der Veen

Weil am Rhein war seit 1880 ein blühendes Zentrum der Textilindustrie. Mehrere Färbereien und eine Seidenweberei befanden sich in verschiedenen Teilen der Ortschaft. 1982 mussten die letzten schliessen, wie überall in Westeuropa. Geblieben ist das Kesselhaus, in dem sich heute ein multikulturelles Zentrum für Theater, Kabarett und kreative Workshops etabliert hat. In den Werkstattgebäuden haben sich aber auch sonstige Industriebetriebe angesiedelt. Auch ein Café befindet sich in einem der alten Gebäuden. Leider ist es sonntags geschlossen.

Teil des Komplexes ist auch das Museum Weiler Textilgeschichte. Das Museum ist nur jeweils am ersten Sonntag des Monats am Nachmittag geöffnet. Zwei nette ältere Herren betreuen die Besucher und werden nicht müde, alle deren Fragen zu beantworten. Das kleine Museum besteht aus zwei Räumen, der ehemaligen Schlosserei und der Schreinerei. Im letzteren liegen dicke textile Musterbücher auf, in denen die Besucher blättern dürfen. Zum Schutz der Bücher liegen viele Stoffhandschuhe bereit.

Letzten Sonntag besuchten Ursula Suter und ich gemeinsam mit Isabelle Wiessler, unserem neuen TAFch-Mitglied, das Museum. (Isabelle wird übrigens bald einen eigenen Blogbeitrag schreiben.) In der früheren Schreinerei hängen auch die textilen Werke, für die wir gekommen waren: eine kleine, aber feine Kollektion von Bakuba Webstücken.

Der Sammler. Photo: Badische Zeitung vom 04.12.2017
Die Sammlung gehört Karl-Heinz Niechoj, der lange in Afrika lebte und seine Kollektion aufzubauen begann, nachdem er eher zufällig ein Bakubawebstück vom Boden auflas.

In einem Interview in der Badischen Zeitung vom 04.12.2017 verriet er auf die Frage, wie er dazu kam, Bakubastücke zu sammeln:

„ Das war ein Zufall. 1994 war ich mit Freunden in Namibia. Als wir über den Markt liefen, sah ich einen Stofflappen auf dem Boden im Staub. Neugierig hob ich ihn auf und war sofort fasziniert. Meine Freunde belächelten das, aber ich fühlte mich sofort an Paul Klee erinnert. Zuhause rahmte ich das Webstück als Bild. Später entdeckte ich ein Buch, das mich in die Welt dieser Textilien einführte. Weitere Literatur und Museumsbesuche ließen mich die Vielfalt, die Besonderheit und Schönheit dieser Textilien schätzen und lieben. Später erfuhr ich, dass Klee einige Raphiamatten besaß.“
(…)
„Ausgestellt ist nur ein Teil meiner Sammlung, bei der Auswahl der Stücke habe ich darauf geachtet, dass die verschiedenen Formen vertreten sind.“ Auf die Frage der Journalistin, was ihn so reizt an diesen Textilien, antwortete er: „Unglaublich finde ich es, dass die Stickereien auf der Rückseite nicht sichtbar sind. Auch haptisch sind sie unterschiedlich. Jedes Stück fühlt sich anders an, manche sind dünn und weich, andere fast lederartig hart. Die Motive sind ebenfalls etwas Besonderes. Sie sind ausgesprochen geometrisch: Waagerechte und senkrechte Linien gliedern die Fläche. Zentrale Bedeutung hat dabei der rechte Winkel. Kreisförmige Motive sieht man dagegen kaum.“
(...)

"Zur Person: Karl-Heinz Niechoj (76) war Lehrer am Kant-Gymnasium und seit 1996 sechs Jahre Leiter der Deutschen Auslandsschule in Namibia. Danach lebte er bis 2016 im Südenvon Kapstadt."
 
Info des Museums








Braucht man grössere Stücke, wie z.B. Umhänge, werden sie einfach zusammengenäht. Das Weben ist Männersache. Die nachträglichen Stickereien werden von den Frauen ausgeführt. Die Farbgebung der Fäden durch «Tye-Dyeing» wird entweder vor oder nach dem Sticken ausgeführt.




Rechts: Hufttuch/Überrock für höherstehende Frauen. Der Mittelteil ist aus zwei farblich leicht unerschiedlichen Teilen zusammengesetzt

Bordüre  des oben gezeigten Hufttuchs aus schwarzem Raphia-Velour.





Musterzeichnung
 


Ein Stuhl, dessen Rückseite die geometrischen Muster zeigt
Es ist immer wieder darauf hingewiesen worden, dass viele moderne Künstler von den Mustern der Bakuba inspiriert worden sind, so Pablo Picasso, Gustav Klimt und Paul Klee.

Hier einige Werke, die auf Bakubawebsel zurückgehen könnten.

Paul Klee:
Von Gustav Klimt ist bekannt, dass er eine nicht unbeträchtliche Sammlung von Bakubastücke besass. Hier einige seine Bilder:

Die Scherenschnitte von Henri Matisse
Die Bilder von Klee, Klimt und Matisse habe ich aus folgenden Büchern kopiert:
- Denys Chevalier: Paul Klee, 1991, S. 21 und 56.
- Christian Geelhaar: Paul Klee, Leben und Werk, 1977, S. 92
- Susanne Partsch: Klimt, Leben und Werk, Verlagsgesellschaft International Publishing GmbH, 1990. S. 123, 201 und 211
- Gilles Néret: Henri Matiss - Scherenschnitte, Benedikt Taschenverlag 1994, S. 51 und 76-77

Das Museum zeigt die Werke noch bis zum 01.07.2018