Freitag, 30. September 2016

Textil oder nicht textil...

von:
Gabi Mett

Spitzen - Bänder - Stoffstücke - Garne? Man kann es nur erahnen. Und leider sind diese Werke auch nicht besser abzubilden. Trotzdem wage ich den Versuch:

2005

 
 
2005
 
 
 
 
2009
 
 
 
2011
 
 
 
Detail 1
 
 
 
 
Detail 2
 
 
 
 
16-2011
 
 
 
20-2011
 
 

23-2011
 
 

 
4-2012
 
 
 
 
4-2012 Detail
 
 
 
4-2012 Detail
 
 
 
3-2013
 
 
 
 
Könnten Sie sagen, wie diese Bilder entstanden sind?

Nun ich will es Ihnen verraten. Es handelt sich durchgehend um Bleistiftzeichnungen. Der Künstler Sebastian Rug hat sie geschaffen. Er wurde 1974 in Vacha geboren und absolvierte von 1996 - 1998 ein Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Von 1999 bis 2004 folgte ein Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 2004 - 2006 war er Meisterschüler bei Professor Arno Rink.

Im Jahr 2013 zeigte das Folkwangmuseum in Essen in einer Einzelausstellung seiner Werke. Im Katalog heißt es:

 „ Seit beinahe zehn Jahren realisiert Sebastian Rug Zeichnungen, die den Betrachter in mehrfacher Hinsicht verblüffen. Zunächst ist erst einmal die Kleinteiligkeit, die staunen macht, denn das konstituierende Element seiner Zeichnungen sind haarfeine nur wenige Milimeter lange Bleistiftlinien. Aus diesen Grundformen schafft Sebastian Rug hochkomplexe Gebilde: Linien knüpfen aneinander an, überlagern sich, ändern ihre Richtung. Sie bilden - je nach Zeichnung - zeilenartige Reihungen, orthogonale Raster oder gewebeartige Strukturen. Dabei fügen sich die Linien immer zu einer alles umfassenden Einheit zusammen.
Dies alles breitet sich offen vor dem Auge des Betrachters aus, denn die Linienführung lässt sich bis ins Kleinste nachvollziehen. Sucht man allerdings die Stelle, von der aus das Liniengebilde seinen Anfang nahm, gewissermaßen der Nullpunkt einer Zeichnung, dann stellt man recht rasch fest, dass sich dieser Punkt nicht bestimmen läßt, so vielgestaltig sind die dargebotenen Strukturen, so hierarchielos wurden sie miteinander verbunden. Dieses Fehlen eines klar erkennbaren Ursprungs ist insofern einleuchtend, als von Sebastian Rug zu Beginn der Arbeit an einer Zeichnung keine Vorüberlegungen dazu angestellt werden, wie diese Teile am Ende auszusehen hat. Begonnen wird stets mit einer bestimmten linearen Grundstruktur, aus der sich die Zeichnung aufbauen wird und die zum Teil im Verlauf der Arbeit leichten Variationen unterliegt. Alles weitere ergibt sich aus dem Prozess des Zeichnens.
Gerade weil es bei Rug kein kompositorisches Konzept gibt, das abzuarbeiten wäre, ist dieser Prozess deutlich komplexer, als es beim Blick auf die vollendeten, in sich schlüssigen Zeichnungen scheinen mag. Wo sind die ersten Striche zu setzen, wie läßt sich das Begonnene adäquat fortführen? Je weiter die Arbeit voranschreitet, desto schwieriger wird diese Aufgabe, denn in der gleichen Geschwindigkeit, mit der der Umfang der Zeichnung zunimmt, wächst auch die Zahl der möglichen Anknüpfungspunkte. Hinzu kommt, dass ein Bleistiftstrich zwar theoretisch ausradiert werden kann, dies für Sebastian Rug aufgrund der Feingliedrigkeit seiner Linien aber kaum möglich ist und deshalb auch nur sehr selten vorkommt. Die Arbeit an einer Zeichnung gerät damit zu einem Prozess, der ebenso rezipierend wie antipizierend sein muss: Im Blick auf das bereits Geschaffene ist Linie um Linie so zu setzen, dass die Einheit der Zeichnung nicht gefährdet wird und zugleich der Weg hin zu ihrer endgültigen Form offen bleibt - wie auch immer diese aussehen mag.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Zeichnungen nicht in einem fortlaufenden Arbeitsfluss entstehen, sondern in Etappen. Sebastian Rug arbeitet über längere Zeiträume an jeder einzelnen Zeichnung und in der Regel an mehreren parallel. Immer ist es der produktive Blick des Zeichners selbst, der Potenziale zur Weiterentwicklung aufspürt - teils nach Wochen oder Monaten. Abgeschlossen ist eine Zeichnung erst, wenn der Künstler sie aus der Hand gibt."

Eine faszinierende Art zu arbeiten, nicht wahr?

Ich möchte dieser Irritation aber noch eine weitere hinzufügen und Sie auffordern, sich diese Seite einmal genauer anzuschauen. Dort finden Sie ebenfalls einen ganz besonderen künstlerischen Weg, der sich mit der Zeichnung auseinandersetzt....hier



Text und Bilder aus dem Katalog :
Stefan Rug
Im Zeichnen sehen/ Seeing in Drawing
Edition Folkwang / Steidl
ISBN 978-3-86930-624-7


P.S. Gerade wurde mir die aktuelle Zeitschrift Schöner Wohnen vom Oktober 2016 in die Hand gedrückt. Auf Seite 24 lese ich mit großen Staunen: Zottelchen reloded. Wandbehänge sind die "It-pieces" der Folklorebewegung. Auf Seite 128 dann die Überraschung. Dort wird ein textiles Wandobjekt angeboten unter dem Titel Blooming ville, Größe 30 x 50 cm und es zeigt eine sehr schlichte Makaramearbeit, passend zu den wieder angesagten Pflanzenampeln aus Makrame. Kann es denn war sein? Da werden die Kunden doch an der Nase herumgeführt und Texilkunst wird "neu" definiert. Es ist unglaublich!



Donnerstag, 29. September 2016

Textil oder nicht textil...

von:
Gabi Mett


Spitzen - Bänder - Stoffstücke - Garne? Man kann es nur erahnen. Und leider sind diese Werke auch nicht besser abzubilden. Trotzdem wage ich den Versuch:

2005

 
 
2005
 
 
 
 
2009
 
 
 
2011
 
 
 
Detail 1
 
 
 
 
Detail 2
 
 
 
 
16-2011
 
 
 
20-2011
 
 

23-2011
 
 

 
4-2012
 
 
 
 
4-2012 Detail
 
 
 
4-2012 Detail
 
 
 
3-2013
 
 
 
 
Könnten Sie sagen, wie diese Bilder entstanden sind?

Nun ich will es Ihnen verraten. Es handelt sich durchgehend um Bleistiftzeichnungen. Der Künstler Sebastian Rug hat sie geschaffen. Er wurde 1974 in Vacha geboren und absolvierte von 1996 - 1998 ein Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Von 1999 bis 2004 folgte ein Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 2004 - 2006 war er Meisterschüler bei Professor Arno Rink.

Im Jahr 2013 zeigte das Folkwangmuseum in Essen in einer Einzelausstellung seiner Werke. Im Katalog heißt es:

 „ Seit beinahe zehn Jahren realisiert Sebastian Rug Zeichnungen, die den Betrachter in mehrfacher Hinsicht verblüffen. Zunächst ist erst einmal die Kleinteiligkeit, die staunen macht, denn das konstituierende Element seiner Zeichnungen sind haarfeine nur wenige Milimeter lange Bleistiftlinien. Aus diesen Grundformen schafft Sebastian Rug hochkomplexe Gebilde: Linien knüpfen aneinander an, überlagern sich, ändern ihre Richtung. Sie bilden - je nach Zeichnung - zeilenartige Reihungen, orthogonale Raster oder gewebeartige Strukturen. Dabei fügen sich die Linien immer zu einer alles umfassenden Einheit zusammen.
Dies alles breitet sich offen vor dem Auge des Betrachters aus, denn die Linienführung lässt sich bis ins Kleinste nachvollziehen. Sucht man allerdings die Stelle, von der aus das Liniengebilde seinen Anfang nahm, gewissermaßen der Nullpunkt einer Zeichnung, dann stellt man recht rasch fest, dass sich dieser Punkt nicht bestimmen läßt, so vielgestaltig sind die dargebotenen Strukturen, so hierarchielos wurden sie miteinander verbunden. Dieses Fehlen eines klar erkennbaren Ursprungs ist insofern einleuchtend, als von Sebastian Rug zu Beginn der Arbeit an einer Zeichnung keine Vorüberlegungen dazu angestellt werden, wie diese Teile am Ende auszusehen hat. Begonnen wird stets mit einer bestimmten linearen Grundstruktur, aus der sich die Zeichnung aufbauen wird und die zum Teil im Verlauf der Arbeit leichten Variationen unterliegt. Alles weitere ergibt sich aus dem Prozess des Zeichnens.
Gerade weil es bei Rug kein kompositorisches Konzept gibt, das abzuarbeiten wäre, ist dieser Prozess deutlich komplexer, als es beim Blick auf die vollendeten, in sich schlüssigen Zeichnungen scheinen mag. Wo sind die ersten Striche zu setzen, wie läßt sich das Begonnene adäquat fortführen? Je weiter die Arbeit voranschreitet, desto schwieriger wird diese Aufgabe, denn in der gleichen Geschwindigkeit, mit der der Umfang der Zeichnung zunimmt, wächst auch die Zahl der möglichen Anknüpfungspunkte. Hinzu kommt, dass ein Bleistiftstrich zwar theoretisch ausradiert werden kann, dies für Sebastian Rug aufgrund der Feingliedrigkeit seiner Linien aber kaum möglich ist und deshalb auch nur sehr selten vorkommt. Die Arbeit an einer Zeichnung gerät damit zu einem Prozess, der ebenso rezipierend wie antipizierend sein muss: Im Blick auf das bereits Geschaffene ist Linie um Linie so zu setzen, dass die Einheit der Zeichnung nicht gefährdet wird und zugleich der Weg hin zu ihrer endgültigen Form offen bleibt - wie auch immer diese aussehen mag.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Zeichnungen nicht in einem fortlaufenden Arbeitsfluss entstehen, sondern in Etappen. Sebastian Rug arbeitet über längere Zeiträume an jeder einzelnen Zeichnung und in der Regel an mehreren parallel. Immer ist es der produktive Blick des Zeichners selbst, der Potenziale zur Weiterentwicklung aufspürt - teils nach Wochen oder Monaten. Abgeschlossen ist eine Zeichnung erst, wenn der Künstler sie aus der Hand gibt."

Eine faszinierende Art zu arbeiten, nicht wahr?

Ich möchte dieser Irritation aber noch eine weitere hinzufügen und Sie auffordern, sich diese Seite einmal genauer anzuschauen. Dort finden Sie ebenfalls einen ganz besonderen künstlerischen Weg, der sich mit der Zeichnung auseinandersetzt....hier



Text und Bilder aus dem Katalog :
Stefan Rug
Im Zeichnen sehen/ Seeing in Drawing
Edition Folkwang / Steidl
ISBN 978-3-86930-624-7


P.S. Gerade wurde mir die aktuelle Zeitschrift Schöner Wohnen vom Oktober 2016 in die Hand gedrückt. Auf Seite 24 lese ich mit großen Staunen: Zottelchen reloded. Wandbehänge sind die "It-pieces" der Folklorebewegung. Auf Seite 128 dann die Überraschung. Dort wird ein textiles Wandobjekt angeboten unter dem Titel Blooming ville, Größe 30 x 50 cm und es zeigt eine sehr schlichte Makaramearbeit, passend zu den wieder angesagten Pflanzenampeln aus Makrame. Kann es denn war sein? Da werden die Kunden doch an der Nase herumgeführt und Texilkunst wird "neu" definiert. Es ist unglaublich!

Mittwoch, 28. September 2016

Freitag, 23. September 2016

Rot



Rot
Von Ursula Suter

Meine liebe Nachbarin mit dem „grünen Daumen“ hat im Frühjahr Zinnien ausgesät und anfangs Sommer die Setzlinge in unserem Garten eingepflanzt. Seit sie ab Mitte Juli zu blühen begonnen haben sind sie für mich ein Farbentraum. Auch jetzt, Ende September, gehen neue Blüten mit neuen Farbnuancen auf. Es ist wie ein Wunder!

An der gleichen Pflanze sind alle Stadien eines Blumenlebens zu sehen. Jedes Stadium hat seine besondere Schönheit.





Viele verschiedene Insekten besuchen tagein tagaus das Gasthaus zur Zinnie. Vier davon konnte ich fotografisch einfangen. Auch sie alle Wunderwerke der Natur!


Biene
Goldfliege
Wanze 
Taubenschwänzchen
Oft versuche ich herauszufinden wie viele verschiedene Rottöne ich finden kann. Ein schwieriges Unterfangen, denn je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen variieren die Farben. Auch mit der Kamera lassen sich leider ganz feine Abstufungen nicht sichtbar machen.

















Die strahlenden Rottöne haben mir in diesem Sommer viel Energie geschenkt und mindestens eine Ecke meines Herzens mit Freude gefüllt.
Gerne würde ich die Farben der Zinnien irgenwie "fest halten".  Die starken Eindrücke werden jedoch in der Erinnerung bleiben.